
ME/CFS wird in neuem EU-Projekt erforscht
Geleitet wird das „Discover-Me“-Projekt von der Immunologin, ME/CFS- und Post-Covid-Expertin Eva Untersmayr-Elsenhuber vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Medizinischen Universität Wien.
In die Studie eingeschlossen werden sollen Daten von mehr als 700 ME/CFS-Patient*innen und fast 200 Kontrollpersonen. Untersucht werden unter anderem Veränderungen im Immunsystem, Stoffwechsel, Hormonhaushalt und in der mitochondrialen Funktion. Ziel ist eine bessere Diagnostik und gezieltere Behandlungsstrategien. 20 bis 50 besonders vielversprechende Medikamente sollen ausgewählt und in anschließenden Projekten weiter erforscht werden.
„Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten künftig früher eine gesicherte Diagnose und eine auf ihre individuellen Krankheitsmechanismen abgestimmte Behandlungsperspektive anbieten zu können“, sagte Untersmayr-Elsenhuber.
Das Projekt wird für 4 Jahre von der EU im Rahmen des Programms „Horizon Europe“ mit mehr als 7,5 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind führende europäische und internationale Forschungseinrichtungen, unter anderem das Imperial College London, die Uppsala Universitet (Schweden), die University of Galway (Irland) und das Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris sowie mehrere auf ME/CFS spezialisierte Biobanken in Europa.
Die Krankheit tritt oft nach Infektionen wie Covid, Epstein-Barr-Virus (EBV) oder die Grippe (Influenza). Aber auch Toxine oder Traumata können ME/CFS auslösen. Geschätzt bis zu 70 Millionen Menschen weltweit sind von ME/CFS betroffen sind.
„Mehr als 60 Prozent der Patientinnen bzw. Patienten sind nicht arbeitsfähig, etwa 20 Prozent sind so schwer von der Erkrankung betroffen, dass sie an Haus oder Bett gebunden sind“, so Untersmayr-Elsenhuber.
„Die jährlichen sozioökonomischen Kosten in Europa werden auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt […].“ Forschungsdaten zum deutschsprachigen Raum zeigen, dass es durchschnittlich fünf Jahre dauert bis zur Diagnose.
Charakteristisch für die Erkrankung ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM): eine ausgeprägte, häufig zeitverzögert auftretende Verschlechterung der Symptome beziehungsweise das Hinzukommen neuer Beschwerden nach (auch leichter) körperlicher oder geistiger Belastung.
Quelle: wien.orf.at/stories/3360607/


